Es gibt zwei Worte, die einem die Lebensfreude gründlich vermiesen können. Was auch immer auf sie folgt, ist selten etwas Angenehmes. Sie sind wie Unkraut – kaum hat man es ausgerissen, wächst es schon wieder nach. Die Worte lauten: „Ich sollte“.
Das seelische Unkraut der Erwartungen
Vor Kurzem habe ich einen Haufen Setzlinge im Garten gepflanzt. Die Freude des Gärtners besteht darin, den zarten Pflänzchen beim Wachsen zuzuschauen. Doch das Unkraut stört diese Idylle; es wächst schneller und kräftiger. So ist das auch mit diesen Sätzen, die mit „Ich sollte“ anfangen. Manchmal habe ich das Gefühl, die hat man extra für uns Frauen erfunden. Wir sollten so vieles tun, es möglichst gut tun und dabei auch noch gut aussehen.
Die letzten Wochen waren fordernd. Als Mutter von zwei Kindern und Ein-Personen-Unternehmerin versuche ich, an allen Fronten mein Bestes zu geben. Das ist nicht ungewöhnlich, aber furchtbar anstrengend. Neulich beim Waldspaziergang mit meinem Mann fühlte ich mich mit jedem Schritt leichter – bis dieses seelische Unkraut die Hirn-Blut-Schranke durchbrach: „Ich sollte noch die E-Mails beantworten.“
Der nie endende Kreislauf des „Sollte“
Kaum hatte ich diesen Gedanken verbannt, schossen die nächsten hervor: Die Essensreste in den Kühlschrank räumen, das Geld für die Schulreise überweisen, die Wäsche reinholen, das Buchkonzept fertigstellen, den Zahnarzttermin vereinbaren… Mein Kopf war im Nu voller Unkraut. Dahin war das zarte Pflänzchen der Entspannung.
Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Sache nie zu Ende ist? Egal, wie viel man erledigt, es wartet schon das nächste „Ich sollte“ vor der Tür. Es ist wie beim Drachen im Märchen: Schlägt man einen Kopf ab, wachsen zwei nach. Das ist verrückt, denn von all diesen Dingen ist wenig Bedeutsames dabei. Die zauberhaften Momente mit den Liebsten, das Schreiben im Fluss, das Lachen mit Freunden – das ist es, was zählt.
Lektionen aus Afrika: Leben ohne künstliche Unruhe
Ich habe als Kind eine Weile in Afrika gelebt, auf dem Land, ohne Uhren. Mein Vater war Entwicklungshelfer. Keiner der Einheimischen hatte Stress. Diese künstliche Unruhe, die wir mitgebracht hatten, verstanden sie nicht. Sie lächelten und ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Und die Welt ging dennoch nicht unter.
Das Wesentliche im Leben ist unspektakulär: Es ist der jetzige Augenblick, der Atem des geliebten Menschen, ein Lächeln. Ich bin da. Und ich „sollte“ in diesem Augenblick nirgendwo anders sein als genau hier.
Sich für das Leben entscheiden
Gelegentlich will ich mich für das Leben entscheiden. Ich entscheide mich für das Mitgefühl mit mir selbst. Ich habe nur menschliche Kräfte, keine Super-Zauberkräfte. Wer immer zu allen nett ist, ist oft streng zu der wichtigsten Person: zu sich selbst. Das Leben ist ein Buffet, aber wir können uns nicht alles reinstopfen. Jedes Ja ist ein Nein zu etwas anderem.
Die Bäume im Wald stehen einfach da. Sie atmen ein und aus und lassen die Lebenskraft pulsieren. Sie denken nicht über morgen nach und ärgern sich nicht über gestern. Vielleicht ist es ja genau unser Gehirn, das uns daran hindert, im Frieden mit dem jetzigen Augenblick zu sein.
Heute schreibe ich einfach von der Seele weg. Wo alles perfekt ist, ist kein Raum für Lebendigkeit. In diesem Sinne wünsche ich dir ein paar gedankenlose Augenblicke des Glücks. Denk nicht so viel, dass du vergisst, dich wohlzufühlen. Der Augenblick ist schließlich alles, was du hast.
Über Christina
Mag. Christina Schmid - In Vorträgen, Kursen und Artikeln vermittle ich mein Wissen aus meiner langjährigen Erfahrung mit alternativen Heilmethoden, Coaching und meinen vielfältigen Ausbildungen. Mein Motto: "Jeder Mensch sollte die Gelegenheit haben, das Beste für sich zu tun". So versuche ich, den Menschen Zugang zu einem Wissen zu vermitteln, welches sonst ausgewählten Kreisen vorbehalten bleibt.
Alle Beiträge von Christina anzeigen
Gedanken von 4 zu “Von der Kunst, eine entspannte Frau zu sein”
Liebe Christina!
Ich habe dein Buch schon mehrmals gelesen und alle deine Artikel auf dem Blog auch 🙂
Danke für die tollen Informationen und vorallem für das Gefühl, das dieser Artikel gerade in mir hervorgerufen hat 🙂
Viele Grüße aus München!
Liebe Evi,
vielen Dank für Deine netten Worte!
Mach Dir einen schönen Tag,
herzliche Grüße aus Oberösterreich! 🙂
Hallo Christina.
Du hast wirklich schöne Ansichten und Tipps zum inspirieren.
Ich selber denke,daß man „glücklichsein “ auch erlernen kann.
Viel Menschen schauen immer nach dem- was Sie nicht haben, aber ich meine,
man muß auch sehr dankbar und glücklich sein über das, was wir alles haben.
Das Materielle ist sicher nicht das wichtigste- oft sind es die kleinen, schönen
Dinge die einem ein lächeln ins Gesicht zaubern.
Liebe Grüße aus dem schönen Ammerland
Margret Gertje
Liebe Margret,
da gebe ich Dir völlig recht. Jeder Tag bietet viele Gelegenheiten zum Glücklichsein. Sie zu erkennen und anzunehmen gehört zu der Kunst eines guten Lebens.
Herzliche Grüße,
Christina